Auf einen Blick: Was passiert mit E‑Mail-Konto, Facebook-Profil, Online-Banking und gespeicherten Fotos nach dem Tod? Digitaler Nachlass ist ein wichtiges Thema – und mit etwas Vorbereitung können Angehörige nach einem Todesfall gut handeln.
Was ist „digitaler Nachlass”?
Mit digitalen Nachlass bezeichnet man die Gesamtheit aller Online-Konten, digitalen Dateien und gespeicherten Daten, die eine Person nach ihrem Tod hinterlässt:
- E‑Mail-Konten (Gmail, GMX, web.de)
- Social-Media-Profile (Facebook, Instagram, WhatsApp)
- Online-Banking und PayPal
- Foto-Speicher (Google Fotos, iCloud)
- Streaming-Abonnements (Netflix, Spotify)
- Digitale Käufe (Bücher, Musik, Software)
- Domains und Websites
Das Problem: Angehörige haben oft keinen Zugang
Nach einem Todesfall stehen Familienmitglieder oft vor verschlossenen Türen:
- Passwörter unbekannt
- Konten können nicht gelöscht werden
- Facebook-Profil bleibt aktiv und erscheint in „Erinnerungen”
- Wichtige E‑Mails (Rechnungen, Verträge) sind nicht zugänglich
- Digitale Fotos gehen verloren
Schritt 1: Digitales Testament oder Passwort-Dokument anlegen
Option A: Passwort-Dokument (praktisch)
Erstelle ein Dokument mit allen wichtigen Zugangsdaten:
MEINE DIGITALEN ZUGANGSDATEN
(Vertraulich – Ort des Originals mitteilen aber nicht das Dokument!)
E-Mail (Gmail):
Adresse: [email protected]
Passwort: XXXXXXXXXX
2FA via: Handy (Nummer: 0174-XXXXXXXX)
Online-Banking (Sparkasse):
Benutzername: XXXXXX
PIN: XXXX
TAN-Verfahren: Chip-TAN-Gerät (liegt in der Schublade im Wohnzimmer)
Facebook:
Profil-URL: facebook.com/vornameCnachname
Passwort: XXXXXXXXXX
Wunsch: Profil nach meinem Tod löschen / als Gedenkprofil behalten
...
Dieses Dokument sicher aufbewahren (nicht am PC – z.B. verschlossener Brief beim Testament, Rechtsanwalt oder Notar).
Option B: Passwortmanager mit Notfallzugang
Programme wie Bitwarden oder 1Password bieten einen Notfallzugang: Eine Vertrauensperson kann nach einer definierten Wartezeit Zugang zu den Passwörtern erhalten.
Schritt 2: Wichtige Plattformen direkt einrichten
Google-Konto: Inaktivitätsmanager
Google bietet einen Inaktivitäts-Manager:
- myaccount.google.com → Datenschutz → Inaktivitätsmanager
- Zeitraum festlegen (z.B. 3 Monate Inaktivität)
- Vertrauenspersonen benennen, die benachrichtigt werden und Daten herunterladen dürfen
- Option: Konto automatisch löschen
Apple: Kontaktperson für den Todesfall
iPhone-Nutzer ab iOS 15:
- Einstellungen → [Dein Name] → Passwort & Sicherheit → Kontaktperson für den Todesfall
- Eine Vertrauensperson auswählen
- Diese Person bekommt einen digitalen Zugriffsschlüssel
Facebook: Gedenkseite oder Löschung
Facebook erlaubt es, im Voraus Wünsche festzulegen:
- Einstellungen → Allgemeine Kontoeinstellungen → Gedenkzustand
- Gewünschte Option wählen:
- Profil als Gedenkseite erhalten (Angehörige können Beiträge hinterlassen)
- Profil nach Meldung des Todes löschen
- Optional: Kontakts für Gedenkseite benennen
Schritt 3: Abonnements und Verträge dokumentieren
Laufende Abonnements, die nach dem Tod gekündigt werden müssen:
| Dienst | Monatliche Kosten | Wie kündigen |
|---|---|---|
| Netflix | ~15 € | App/Website → Konto → Kündigen |
| Spotify | ~10 € | App → Konto → Kündigung |
| Amazon Prime | ~9 € | Amazon → Konto → Mitgliedschaft verwalten |
| Strom / Gas | Variabel | Brief/Telefon mit Sterbeurkunde |
Eine Übersicht im Passwort-Dokument erspart Angehörigen teures Suchen.
Was Angehörige nach dem Todesfall tun können
Am Anfang
Banken und Versicherungen informieren → Hier ist die Sterbeurkunde erforderlich. Banken müssen Konten sperren und Erbrechte prüfen.
Digitale Konten
- E‑Mail: Anbieter mit Sterbeurkunde und Erbschein kontaktieren → Weiterleitung oder Löschung beantragen
- Facebook: Über das Hilfeformular: Memorialisierung oder Löschung beantragen
- Google: Über das Inaktivitäts-System (falls eingerichtet) oder das Supportformular
Was ohne Vorbereitung schwierig ist
- Passwörter durch den Anbieter – ohne Voraus-Regelung fast unmöglich
- iCloud-Daten ohne Apple-Zugriffsschlüssel – sehr schwierig
- Konten mit aktiver 2FA ohne Zugriff auf Handy – meist unmöglich
⚠️ Wichtig: Ohne Vorbereitung können wertvolle Fotos und Daten für immer verloren gehen.
Checkliste: Digitalen Nachlass regeln
☐ Passwort-Dokument oder Passwortmanager mit Notfallzugang einrichten
☐ Google Inaktivitätsmanager einrichten
☐ Apple Kontaktperson für Todesfall benennen (iPhone)
☐ Facebook-Wünsche für Gedenkzustand festlegen
☐ Liste laufender Abonnements erstellen
☐ Vertrauensperson über Dokument-Ort informieren (ohne Passwörter zu nennen)
☐ Ggf. im Testament festhalten: "Zugangsdaten sind in [Ort/Person]"
Fazit
Digitaler Nachlass ist genauso wichtig wie ein schriftliches Testament – aber oft vergessen. Wer heute ein Passwort-Dokument anlegt und auf den wichtigsten Plattformen Vorsorge trifft, schenkt seinen Angehörigen nach dem schwierigen Verlust zumindest digitale Klarheit. Und schützt gleichzeitig wertvolle Erinnerungen wie Fotos davor, für immer verloren zu gehen.